Zweiter DÜSSELDORFER CHINA DIALOG: Innovation

Innovation mit China-Speed und deutscher Gründlichkeit

von Astrid Oldekop

Weil Innovation der Schlüssel für Wachstum in China und in Deutschland ist, stand das Thema im Mittelpunkt des zweiten DÜSSELDORFER CHINA DIALOGS.
Chinas Wirtschaft soll innovationsgetrieben wachsen: Aus „Made in China“ wird „Created in China“. Deutsche Unternehmen aller Branchen eröffnen Forschungs- und Entwicklungszentren im Reich der Mitte. Immer mehr chinesische Unternehmen forschen in Deutschland oder setzen auf Innovation durch Akquisition. In Düsseldorf waren sich hochkarätige deutsche und chinesische Entscheider einig: Die Kombination aus deutschem Technikwissen und chinesischer Flexibilität bietet den besten Nährboden für Innovationen.

Weil Innovationen nur durch die Verbindung einer Idee mit der Bereitschaft zur Umsetzung entstehen, habe gerade die chinesisch-deutsche Zusammenarbeit das Potential, große Innovationsschritte in kurzer Zeit zu erreichen, sagte der Leiter des Haier Europa-Forschungszentrums Christian Daume.

Das bestätigte der Beigeordnete der Stadt Düsseldorf Professor Andreas Meyer-Falcke: „Im Kontakt mit der chinesischen Wirtschaft ist immer die spezielle Entwicklungsdynamik zu spüren.“ Diese sei sowohl bei den chinesischen Unternehmen spürbar, die Produkte für den westlichen Markt entwickeln, als auch bei Düsseldorfer Unternehmen, die in China an Produkten für den asiatischen Markt forschen.

Zum Auftakt des zweiten DÜSSELDORFER CHINA DIALOGS, der am 11. Dezember 2013 in den Räumen der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Düsseldorf stattfand, beschrieb IHK-Präsident Professor Ulrich Lehner, wie Innovationen heute in Deutschland aussehen.

Die besondere Herausforderung für die deutsche Wirtschaft liege darin, genügend Innovationskräfte zu mobilisieren, um nach der Mechanisierung, der arbeitsteiligen Massenfertigung und Computerisierung erfolgreich in die „vierte industrielle Revolution“ - das Internet der Dinge - einzusteigen. Für dieses Internet der Dinge, bei dem Maschinen und Lagerhaltungssysteme selbstständig Informationen austauschen, habe die deutsche Volkswirtschaft gute Startvoraussetzungen. Dies ist laut Lehner ein Ergebnis beachtlicher und kontinuierlicher Innovationsaufwendungen.

Ein Fazit aus chinesischer Perspektive zog Weidong Wang: „China kann nur durch Innovationen wachsen.“ Das sehe auch die chinesische Regierung so und richte ihre Politik danach aus, sagte der Leiter der Wirtschafts- und Handelsabteilung des chinesischen Generalkonsulats in Frankfurt, und beschrieb das innovationsfreudige Klima in der Volksrepublik. „Bei Innovationen kann China viel von Deutschland lernen.“
 

Astrid Oldekop, Toni Cheng, Dr. Tilo Weiß

Huawei: Internationales Recruitment rund um den Globus

Toni Cheng, Deutschlandchef des Telekommunikationsanbieters Huawei Technologies betonte die Internationalität von Innovationen: „Innovationsprozesse verlaufen zunehmend global. Innovationen entstehen in internationalen Teams, die in Technologieclustern über die ganze Welt verteilt arbeiten.“

Das chinesische Unternehmen beschäftigt weltweit 150.000 Mitarbeiter, davon 70.000 in Forschung und Entwicklung (F&E) und investiert zehn Prozent des Umsatzes in F&E. In Deutschland beteiligt sich Huawei an 34 Forschungsprojekten mit 19 Universitäten und Forschungseinrichtungen. Während der Podiumsdiskussion appellierte Cheng mehrmals an die Unternehmer: „Investieren Sie in Innovation. Denn Innovationen bringen Geld.“

Ziel vieler Kooperationen sei auch die Gewinnung qualifizierter Mitarbeiter, denn nur durch die richtigen Leute können Innovationen entstehen. „Wir haben ein großes Netz über die Welt gespannt und fangen Talente ein“, sagte Cheng. „In Deutschland gibt es viele qualifizierte Fachkräfte.

Christian Daume, Yi Sun

Haier: Ideen aus dem Open Innovation Network

Auch der chinesische Hausgerätehersteller Haier hat seine Netze ausgeworfen. In Deutschland hat das Unternehmen sein Forschungs- und Entwicklungszentrum für Europa eröffnet. Das chinesische Unternehmen, das seinen Namen einer gescheiterten Kooperation mit dem deutschen Unternehmen Liebherr verdankt, ist Chinas wertvollste Marke.

In Nürnberg leitet Christian Daume das F&E-Zentrum, das auch das Haier Open Innovation Network betreibt. Dort stellt Haier Ideen ein, aber auch Unternehmen, Hochschulen oder Start-ups können Projekte anregen. „Wir öffnen uns und wollen mit allen zusammen arbeiten, die Technologie und Innovation quer durch alle Industrien anbieten. Wir sind mit Technologie-Scouts unterwegs und suchen neue Technologie-Partner.“ Dies könne zu völlig neuen Produkten führen.

Haier forscht in Deutschland, um näher am europäischen Markt zu sein. Dabei hat Daume einen wesentlichen Unterschied in der Herangehensweise festgestellt: „Europäer haben eher den Drang, in die Breite zu forschen“, sagte Daume. Chinesische Kollegen wählten dagegen eher den Weg, der schneller in einen Markt führt, ohne vorher jedes mögliche Risiko geklärt zu haben. „Der Vorteil liegt in der Kombination“, ist für Daume klar.

Dr. Tilo Weiß

Henkel: Lokale Entwicklung, globale Forschung

Ein Düsseldorfer Unternehmen, das in China forscht, ist Henkel. „Wir haben früh damit begonnen, Innovation für China in China zu entwickeln“, berichtete Dr. Tilo Weiß, der für die Henkel Klebstoffsparte die weltweite Entwicklung neuer Geschäfte mit Schwerpunkt China leitet. 2007 wurde das Henkel-Forschungszentrum in Shanghai eröffnet, mittlerweile arbeiten mehrere hundert Forscher in China an innovativen Lösungen für China, Asien und die Welt.

„Wir bauen diese Aktivitäten aus“, erzählte Weiß. China ist bereits heute Henkels drittgrößter Umsatzbringer und die Klebstoffsparte macht den Großteil des Geschäftes aus. „Wenn wir mit dem chinesischen Markt mithalten wollen, müssen wir vor Ort mit den richtigen Ressourcen und Kompetenzen mit chinesischen Unternehmen zusammen arbeiten, das ist die Grundlage des Erfolges“, stellte Weiß fest.

Dafür müssen Produkte an die Kundenbedürfnisse angepasst werden, zum Beispiel Fliesenkleber. Das in Deutschland gut verkaufte Produkt, wurde in China zum Ladenhüter: In Deutschland werden Fliesen mit dünner Kleberschicht verlegt. In China dagegen hat der Fliesenkleber, fingerdick aufgetragen, auch die Aufgabe, Unebenheiten des Aufbaus auszugleichen. „Unsere Bemühungen, den Chinesen deutschen, dünnen Fliesenkleber zu verkaufen, wären so gewesen als wolle Haier Kühlschränke am Südpol verkaufen“, resümierte Weiß.

Er stellte fest: In ihrem Heimatmarkt betrieben Unternehmen Innovation strategisch. Im Fremdmarkt dagegen suchten sie in der Entwicklung stärker den Kundenkontakt.

Yi Sun, Prof. Dr. Reinhart Poprawe

Ernst & Young: Innovationen durch Unternehmenskäufe

Einen schnelleren Weg schlagen chinesische Unternehmen ein, die deutsche Mittelständler kaufen. Yi Sun ist Partnerin bei Ernst & Young und leitet den China-Desk. Seit über zehn Jahren berät sie deutsche und chinesische Unternehmen bei Transaktionen und Standortwahl.

„Gerade die einzigartige Innovationskraft der mittelständischen Unternehmen wie Automobilzulieferer und Maschinenbauer am Standort Deutschland ist für chinesische Investoren zunehmend von Interesse“, hat Sun beobachtet. „Damit schärfen und ergänzen die chinesischen Investoren das eigene Know-how im Hinblick auf Zukunftstechnologien.“

Bei Transaktionen würde sie oft von den Deutschen gefragt, ob die Werke nach Verkauf geschlossen und die Arbeitsplätze nach China verlagert würden. „Doch die chinesischen Investoren sehen, dass es in Deutschland Kompetenzen in Technik und Innovation gibt und wissen: Innovationen kommen nur durch das richtige Personal.“

Deshalb habe ein chinesisches Unternehmen wie der Baumaschinenhersteller XCMG nach der Akquise des deutschen Betonbaumaschinenherstellers Schwing ein Forschungszentrum in Krefeld eröffnet. „Chinesische Unternehmen schlagen den kürzeren Weg ein und wollen durch Kooperation mit Deutschen die eigene Innovationsfähigkeit anheben.“


Yi Sun, Prof. Dr. Reinhart Poprawe,
Astrid Oldekop

RWTH: Strategischer Aufbau von Forschungspartnerschaften

Wie sich die deutsch-chinesischen Wissenschaftskooperationen verändert haben, berichtete Professor Reinhart Poprawe, Prorektor der RWTH Aachen, Leiter des Fraunhofer Instituts für Lasertechnik in Aachen und Gewinner des Innovationspreis des Landes Nordrhein-Westfalen 2011. „China hat sich in der deutschen Wahrnehmung in die Balance aus Chance und Wettbewerb entwickelt“, stellte Poprawe fest. „Wir wollen durch strategische Partnerschaften zwischen chinesischen und deutschen Universitäten und durch die Integration unserer Firmenkunden in dieses Netzwerk die Chancen vor Ort maximieren.“

Vor 2009 sei China von der deutschen Wirtschaft vor allem als Bedrohung gesehen worden. Die Krise habe das verändert. Seitdem setzt man in der Forschung auf Zusammenarbeit und Win-win-Situationen.

Seit zehn Jahren bietet die RWTH einen Doppelstudiengang mit Qinghua Universität, bei dem jeweils 30 Chinesen und 30 Deutsche als Brückenköpfe für industrielle Kooperationen ausgebildet werden. Zurzeit studieren 2.000 Chinesen in Aachen.
„Heute ist Forschung Wissen, wer was weiß. Morgen ist Forschung Wissen, wo welches Wissen entsteht“, sagte Poprawe. „Es gibt diese konstruktivistisch designten Partnerschaften, die gemeinsam in die Märkte gehen. Es lohnt sich, diesen Trend zu verstärken.“

Stephan Schneider

Digitale Stadt Düsseldorf: Ideale Standortfaktoren für Innovationen

Wie entscheidend die Standortwahl für die Innovationskraft eines Unternehmens ist, betonte Stephan Schneider, Senior Manager bei Vodafone. „Die Kooperation mit chinesischen Unternehmen wird für die ITK-Branche immer wichtiger, damit wir Innovationen flexibel an die Marktbedürfnisse anpassen können“, sagte Schneider, der gleichzeitig Vorstandsvorsitzender des Businessnetzwerks Digitale Stadt Düsseldorf. In dem Netzwerk haben sich 255 Unternehmen der IT-Branche zusammengeschlossen, unter ihnen viele chinesische Unternehmen. „Innovationen entstehen in der Zukunft nicht mehr im Kern eines Unternehmens, sondern in einer Mischung aus global - lokal.“

Prof. Dr. Ulrich Lehner
Präsident der IHK zu Düsseldorf
„Der aktuelle Fünfjahresplan der Volksrepublik China betont die Bedeutung der Innovationsfähigkeit des Landes für seine weitere Entwicklung. Innovation ist einer der entscheidenden Wettbewerbsfaktoren. Umso spannender ist ein Austausch darüber, wie dieses Ziel erreicht werden kann."


Weidong Wang
Konsul und Leiter der Wirtschafts- und Handelsabteilung des Generalkonsulats der Volksrepublik China in Frankfurt
„Deutschland liegt auf Platz zwei im Ranking des EU-Leistungsanzeigers Innovationsunion 2013 und ist Vorreiter in Sachen Forschungsinvestitionen, Schutz des geistigen Eigentums, Internationalisierung und innovativer Unternehmensfinanzierung. Die jüngst von der chinesischen Regierung betonte Strategie, Innovation treibt Entwicklung, fördert die Innovationskraft in den Unternehmen sowie die Etablierung eines innovativen Wirtschaftssystems. Chinesische Unternehmen lernen von deutschen Unternehmen und verbessern ihre Innovationsfähigkeit. So kommt eine neue Vitalität in die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China.“


Toni Cheng
CEO, Huawei Technologies Deutschland
„Innovationsprozesse verlaufen zunehmend global. Allein in Deutschland sind wir an 34 Forschungsprojekten mit 19 Universitäten und Forschungseinrichtungen beteiligt. Innovationen entstehen in internationalen Teams, die in Technologieclustern über die ganze Welt verteilt arbeiten.“


Christian Daume
General Manager, Haier F&E-Zentrum
„Erfolgreiche Innovationen entstehen durch die Verbindung einer Idee mit der Bereitschaft zur Umsetzung. Chinesisch-deutsche Zusammenarbeit hat das Potential, große Innovationsschritte in kurzer Zeit zu erreichen.“


Prof. Dr. Reinhart Poprawe
Prorektor, RWTH Aachen
„China hat sich in der deutschen Wahrnehmung in die Balance aus Chance und Wettbewerb entwickelt. Wir wollen durch strategische Partnerschaften zwischen chinesischen und deutschen Universitätenund durch die Integration unserer Firmenkunden in dieses Netzwerk die Chancen vor Ort maximieren.“

Stephan Schneider
Vorstandsvorsitzender, Digitale Stadt Düsseldorf
„Die Kooperation mit chinesischen Unternehmen wird für die TK-Branche immer wichtiger, damit wir Innovationen flexibelan die Marktbedürfnisse anpassen können. Aufgrund der Ingenieursdichte bei den chinesischen Zulieferern verkürzt sich der Entwicklungsprozess neuer Komponenten.“

Yi Sun
Partnerin, Ernst & Young
„Gerade die einzigartige Innovationskraft der mittelständischen Unternehmen wie Automobilzulieferer und Maschinenbauer am Standort Deutschland ist für chinesische Investoren zunehmend von Interesse, um das eigene Knowhow im Hinblick auf Zukunftstechnologien zu schärfen und zu ergänzen."

Dr. Tilo Weiß
Vice President, Henkel Adhesive Technologies
„Wir haben früh damit begonnen, Innovation für China in China zu entwickeln. 2007 haben wir unser Forschungszentrum in Shanghai eröffnet. Mittlerweile arbeiten mehrere hundert Forscher in China an innovativen Lösungen für China, Asien und die Welt. Wir bauen diese Aktivitäten aus.“