Erster DÜSSELDORFER CHINA DIALOG: Fachkräfte

Chinesische und deutsche Entscheider suchen gemeinsam Wege aus dem „War for Talents“

von Astrid Oldekop

Der „War for Talents“ bestimmt das Geschäft aller Unternehmen in Deutschland und in China. Weil die richtigen Mitarbeiter entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens sind, stand der erste DÜSSELDORFER CHINA DIALOG unter dem Motto „Fachkräfte in China und in Deutschland“. Zum Auftakt der deutsch-chinesischen Veranstaltungsserie diskutierten hochkarätige chinesische und deutsche Experten und Praktiker im exklusiven Rahmen in Düsseldorf darüber, wie man die richtigen Mitarbeiter findet, bindet, motiviert und qualifiziert.

 Mit der rasanten Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen China und Deutschland steigt sowohl bei chinesischen als auch bei deutschen Unternehmen die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften, sagte der chinesische Botschafter Mingde Shi zum Auftakt des DÜSSELDORFER CHINA DIALOGS.

„Chinesische Unternehmen gehen zur Rohstoffsicherung, zur Ausweitung ihres Marktes oder zwecks Technologieerwerbs ins Ausland und investieren dort. Damit wachsen die Anforderungen an die Qualifikationen der Mitarbeiter und Führungskräfte auf allgemeine internationale Standards“, erinnerte der Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf, Professor Ulrich Lehner. Vor diesem Hintergrund sei der chinesischen Führung bewusst, dass das zukünftige Geschäftsmodell des Landes nicht durch das Adjektiv ,billig’ gekennzeichnet sein dürfe, sondern Qualität und Hochtechnologie beinhalten müsse. „Beides geht nur mit qualifizierten Arbeitskräften“, stellte Lehner fest.

James Xie, Michael Mager, Astrid Oldekop,
Fei Chen, Michael Schäfer

„Wir wollen Mitarbeiter, die sich für die andere Kultur interessieren.“

Wie chinesische Unternehmen das große Wachstum in Deutschland bewältigen und dabei sowohl sprachliche als auch kulturelle Schwierigkeiten überwinden, berichteten James Xie HR Director bei Huawei Westeuropa und  Fei Chen, der bei der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) in Frankfurt als General Manager arbeitet.

„Deutschland bietet genau die Fachkräfte, die chinesische Unternehmen benötigen“, sagte James Xie. Der Telekommunikationsausstatter aus Shenzhen hat seine Europaaktivitäten im Jahr 2000 mit einem Forschungs- und Entwicklungszentrum in Schweden begonnen. Mittlerweile beschäftigt Huawei 7.000 Mitarbeiter in Westeueropa, die von der Europazentrale in Düsseldorf aus geleitet werden. „Anfangs haben wir mit chinesischen Mitarbeitern gearbeitet“, erzählte Xie. „Als die Geschäftsbeziehungen sich intensiviert haben, haben wir  qualifizierte lokale Fachkräfte eingestellt.“

Die Huawei-Unternehmenskultur sei international und funktioniere in über 100 Ländern. „Unsere Mitarbeiter identifizieren sich mit unseren Grundwerten, halten sich an einheimische Gesetze und passen sich vor Ort an.“ Chinesische Unternehmen in Deutschland  müssten sich bewusst sein, auf welche kulturellen Unterschiede sie sich einlassen und sich anpassen, mahnte Xie. Dazu gehöre es auch, Arbeitsabläufe zu optimieren und  jeden Arbeitsplatz in seiner Wertigkeit zu definieren.

Bei der ICBC arbeiten 44 Mitarbeiter in Deutschland, doch die Bank, die weltweit 405.000 Mitarbeiter beschäftigt, will auch hierzulande wachsen. Zurzeit gibt es drei deutsche Abteilungsleiter. „Wir nehmen gerne einheimische Arbeitskräfte in die Geschäftsleitung auf“, erzählte General Manager Fei Chen. „Unser Mutterkonzern fordert sogar, dass wir mehr lokale Mitarbeiter einstellen.“

Die Personalpolitik der Bank sei global, über Nationalitätengrenzen hinaus. Dass deutsche Mitarbeiter Chinesisch lernen, sei aber nicht realistisch. ICBC will den Teamgeist fördern und setzt auf in Deutschland lebende Chinesen als Brückenbauer. „Wir wollen Mitarbeiter, die sich für die andere Kultur interessieren und ihren Arbeitsplatz sowie die berufliche Herausforderung lieben.“

James Xie, Michael Mager

„Nicht jeder Kandidat passt in jede Firma.“

Für deutsche Bewerber werden chinesische Unternehmen zunehmend attraktiv, berichtete Michael Schäfer, Senior Director bei der Personalberatung MercuriUrval. „Firmen wie Huawei oder  Haier beweisen Innovationsstärke und kommen so bei qualifizierten Arbeitskräften in die enge Wahl.“ Weil der Bedarf an Fachkräften so groß sei, zahlten  chinesischen Unternehmen inzwischen attraktive Gehälter.

Zwar unterscheide sich die Unternehmenskultur in Sachen Transparenz und Einbindung in zentrale Entscheidungsprozesse noch immer von der deutschen. Doch mittlerweile hätten auch die chinesischen Unternehmen Personalentwicklungsmaßnahmen ergriffen. „Wer der chinesischen Kultur gegenüber aufgeschlossen ist kann in einem chinesischen Unternehmen schneller Karriere machen“, sagte Schäfer. „Wenn ein Ingenieur sich vier Jahre lang in einem chinesischem Unternehmen entwickelt hat, beschleunigt das seine Karriere, weil China im technischen Bereich Maßstäbe setzen wird. So wird er auch für andere internationale Unternehmen attraktiv.“

In China suchen mittlerweile 7.000 deutsche Unternehmen nach passenden Mitarbeitern und kämpfen mit hoher Fluktuation. Denn obwohl das Land jährlich 5,75 Millionen Absolventen bietet, seien viele Bewerber nicht passend qualifiziert, stellten die Teilnehmer der Podiumsdiskussionen übereinstimmend fest.

„Weil deutsche Investoren mit großer Mühe in China nach Facharbeitern suchen, hat die deutsche Auslandshandelskammer in Greater China eine Initiative zur Einführung der dualen Berufsausbildung ergriffen“, ergänzte Professor Ulrich Lehner. Diese sei allerdings von einer flächendeckenden Umsetzung noch weit entfernt.

Deshalb knüpfen viele deutsche Unternehmen in China direkte Kontakte zu führenden Hochschulen - wie der Düsseldorfer Mittelständler Grohe. „Über eine langjährige Zusammenarbeit mit Hochschulen bekommt man gute Kontakte zu Studierenden“, weiß Grohe-Personalvorstand Michael Mager. Dabei könne man vom guten Ruf deutscher Unternehmen in China profitieren.

Doch nicht jeder Kandidat passe in jede Firma. „Beim Auswählen chinesischer Mitarbeiter achte ich darauf, dass sie für unsere Kultur eine gewisse Affinität haben“, erklärte Mager. „Ich kann auch nicht jeden Deutschen nach China schicken. Ich habe erlebt, dass fachlich kompetente Leute in China gescheitert sind. Das war keine Frage der Sprache. Es ging darum: Können sie sich auf der unterschiedliche Kultur einlassen und haben sie die Unterschiede akzeptiert - ohne die Menschen in Schubladen zu stecken.“ Die Kunst des Personalmanagements sei es, diejenigen zu finden, die über die kulturellen Unterschiede hinaus an einem Thema zusammenarbeiten können.

Robert Cao, Susanne Otte, Thomas Biedermann

„Wir nehmen das Beste, was Deutschland zu bieten hat und bringen es nach China.“

Das bestätigte Thomas Biedermann, Personalvorstand TÜV Rheinland. Das Unternehmen ist seit 30 Jahren in China, hat dort mittlerweile 2.500 Mitarbeiter und will weiter wachsen. Während der TÜV Rheinland in den ersten 20 Jahren stark auf Expats gesetzt hat, setze man nun auf chinesische Karrieren. So sitze beispielsweise eine Chinesin im Chinaboard.

Der für China typisch hohen Fluktuation begegnet man beim TÜV Rheinland mit einer Kultur, die das Bleiben zelebriert. Wer fünf, zehn, oder gar zwanzig Jahre dabei sei, bekomme eine Urkunde und werde auf einer Bühne gefeiert, erzählte Biedermann.

Der TÜV Rheinland kooperiert mit chinesischen Hochschulen und bildet seit diesem Jahr in Shanghai Mechatroniker aus. Doch diese duale Ausbildung nach deutschem Vorbild setze sich viel zu langsam in China durch, warf Robert Cao, Geschäftsführer des Düsseldorf China Centers und von Jiangnan Mould&Plastic Technology ein. „Das chinesische Wachstum ist schnell. Wir können nicht warten, bis sich das duale System durchgesetzt hat“, sagte Cao, der selbst in Deutschland ein Training genossen hat.

„Deshalb nehmen wir das Beste, was Deutschland zu bieten hat und bringen es nach China, um das schnelle Wachstum zu beflügeln.“ In jedem Kaufvertrag schreibe er daher fest, dass chinesische Mitarbeiter gezielt in Deutschland ausgebildet werden.  „Ich setze viel dran, dass Austausch gefördert wird“, berichtete Robert Cao.

Astrid Oldekop, Robert Cao

„Der Austausch ist keine Einbahnstraße.“

Dass dieser Austausch keine Einbahnstraße von China nach Deutschland mehr ist, bestätigte Susanne Otte, Programmleiterin China-Sonderprojekte beim DAAD. Während die Zahl der chinesischen Studierenden in Deutschland mit 24.000 seit Jahren auf hohem Niveau bleibe, zögen nun vermehrt Deutsche zum Studium nach China.

Zurzeit sind es 5.000 und ihre Zahl steigt. Immer häufiger studieren sie nicht nur die Sprache, sondern ein Fach. Attraktiv seien für Deutsche Studiengänge mit Doppelabschluss und Fächer wie Architektur, Design und Jura. Die Hälfte der chinesischen Studierenden in Deutschland studiert Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie Mathematik.

Als positives Beispiel hob Susanne Otte das Chinesisch-Deutsche Hochschulkolleg (CDHK) an der Tongji-Universität heraus, an dem Elektrotechnik, Maschinenbau, Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Logistik nach deutschem Vorbild gelehrt werden. Es gibt Blockvorlesungen aus deutschen Hochschulen, 26 von deutschen Unternehmen gestiftete Lehrstühle, die chinesischen Studierenden absolvieren einen Teil der Ausbildung als Praktikanten in Deutschland.

Vermehrt kommen nun auch deutsche Studenten an das CDHK. „Solche Projekte können nur dann erfolgreich sein, wenn die Ziele aller Beteiligten berücksichtig werden“, erinnerte Susanne Otte. „China möchte das Ingenieurstudium fördern und die deutsche Industrie braucht gut qualifizierte Absolventen. Eine typische Win-win-Situation.“


Fei Chen, Geschäftsführer der Industrial und Commercial Bank of China in Frankfurt: „Ich habe mit Teams gearbeitet, die aus einer Kultur kamen. Ich habe in Belgien mit multi-nationalen Teams gearbeitet. Am schwierigsten ist es, hier in Deutschland bi-nationale Teams zu führen. Wir sollten den chinesischen Management-Stil in China anwenden. Hier sollten wir auf die europäische Art führen.“

Thomas Biedermann, Vorstand Personal des TÜV Rheinlands: „China entwickelt sich vom Niedriglohnland zum wissensbasierten High-Tech-Standort. Für global agierende Unternehmen besteht die Herausforderung darin, geeignete Fachkräfte zu finden und langfristig zu binden durch Aus- und Weiterbildung, Hochschul-Partnerschaften sowie Bindungsprogramme.“


Robert Cao, Geschäftsführer des Düsseldorfer China Centers: „Düsseldorf bietet chinesischen Unternehmern ein günstiges Investitionsklima, hat eine exzellente Infrastruktur und eine hohe Lebensqualität. Chinesische Mitarbeiter und deutsche Fachkräfte fühlen sich sehr wohl. Deshalb haben wir uns schon vor Jahren für diesen Standort entschieden.“


Michael Schäfer, Senior Director Mercuri Urval: „Noch treffen im Rekrutieren und im Führen und Halten von Fachkräften zwei unterschiedliche Kulturen aufeinander, aber der absehbare Mangel an wirklich hochqualifizierten Kandidaten wird eine Anpassung von Such- und Managementmethoden im internationalen Markt notwendig machen.“


Michael Mager, Vorstand Personal Grohe AG: „Da deutsche Unternehmen bei chinesischen Top-Studenten einen sehr guten Ruf genießen, ist es kein Problem, sie für eine Anstellung zu begeistern. Die Schwierigkeit besteht darin, so interessant zu bleiben, dass sie nicht wechseln, sondern das Unternehmen langfristig in China unterstützen.“


Susanne Otte, Referatsleiterin China-Sonderprojekte des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD): „Die Wissenschaftskooperation ist keine Einbahnstraße von China nach Deutschland mehr. Bei gleichbleibend hohen chinesischen Studentenzahlen in Deutschland steigt die Zahl der Deutschen, die in China studieren, nicht nur die Sprache, sondern immer häufiger auch ein Fach.“

James Xie, Vice President und HR-Director von Huawei Westeuropa: „Deutschland bietet genau die Fachkräfte, die chinesische Unternehmen benötigen. Deutsche Arbeitskräfte zeichnen sich durch Fleiß und Disziplin aus. Für chinesische Unternehmen sind die unterschiedlichen Managementkulturen und die Kommunikation mit der Zentrale in China eine große Herausforderung.“


Bildergalerie

Aktuelles

19.08.2016

Chinesische Talente gewinnen!

SinoJobs Career Days 2016

30.06.2016

Compliance Expert Talk

Seminar

24.06.2016

2. CHKD-Recruitment Fair in Düsseldorf

Deutsch-chinesische Karrieremesse

Weitere News

Bilder